Reisende soll man nicht aufhalten

Reisende aus aller Herren Länder – aus Deutschland, Österreich, Italien, Spanien, England, Frankreich, Polen und Russland – hängen gelangweilt am „Aéroport Charles X.“ herum, denn alle Flüge sind gestrichen. Man vertreibt sich die Zeit mit Lesen, Trinken, Kartenspielen, Singen und vor allem mit allerlei Liebesgeplänkel.
Klingt angesichts der momentanen Flugwetterlage äußerst aktuell – in Wirklichkeit handelt es sich allerdings um den Inhalt der Oper „Il Viaggio a Reims“ von Giacchino Rossini aus dem Jahre 1825! Natürlich spielt das Original-Libretto nicht in einem Flughafen, sondern in einem Gasthof, und die Gestrandeten warten nicht auf ihren Abflug, sondern auf frische Pferde. Der Staatsoper Hannover ist es aber sehr gut gelungen, die eher handlungsarme Oper, die gegen Ende ins Pathetische abgleitet (wurde sie doch anlässlich der Krönung des französischen Königs Karl X. komponiert) intelligent zu modernisieren und äußerst amüsant zu inszenieren. Die landestypischen Klischees der Wartenden werden persifliert, ihre Liebestollheiten karikiert, und die Szenerie des Flughafens wird voll ausgereizt, inklusive Sicherheitshinweisen. Das Libretto wurde behutsam verändert, und auch von den Übertiteln wird kreativ gebraucht gemacht.
Insgesamt eine sehr gelungene, lustige und unterhaltsame Inszenierung, die gesanglich, schauspielerisch und musikalisch ebenfalls keine Wünsche offen lässt. Auch für Menschen, die normalerweise nicht in die Oper gehen, wärmstens zu empfehlen!

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