Hannover-Image II

Es gibt zweifelsohne einige positive Dinge in Hannover – aber wenn man sie gegenüber Leuten lobt, die schon länger hier wohnen, bekommt man oft zu hören: „Ja, das ist erst seit der Expo so“.
Der wirklich vorbildliche ÖPNV, das gute S-Bahn-Netz, die Niki de Saint Phalle-Promenade, die Amüsiermeile Steintorviertel, der Flughafen, der Hauptbahnhof – das sind nur einige Dinge, die mir spontan einfallen und die es in dieser Form und Qualität (angeblich) erst seit der Expo gibt.
Wie wichtig und bedeutend die Weltausstellung für die Stadt gewesen sein muss lässt sich auch daraus ersehen, dass die HAZ seit Wochen in einer Serie das Ereignis Revue passieren lässt. Offenbar hat Hannover zu diesem Anlass erstmals den Duft der großen weiten Welt geschnuppert…

Das lässt wieder mal Rückschlüsse auf die Ursache für das schlechte Image der Stadt zu: wenn so viele positive und großstädtische Errungenschaften erst seit zehn Jahren bestehen, muss Hannover in den Jahrzehnten davor wirklich so langweilig, provinziell und durchschnittlich gewesen sein, wie der Ruf, der der Stadt immer noch anhängt.

Das Image ist also historisch gesehen vielleicht gar nicht unbedingt falsch, sondern nur nicht mehr aktuell?

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4 Antworten to “Hannover-Image II”

  1. FS Says:

    Da können wir als nachträglich zugezogene nur schwer mitreden, aber der Verdacht bleibt. 😉

  2. Nachtwaechter Says:

    Ich könnte ja ohne Ende darüber lamentieren, wie viele Projekte Hannover nur der Expo verdankt. S-Bahn war früher Fehlanzeige, der Nahverkehr war etwas… ähm… unerfreulich, vor allem, wenn man auf Busse angewiesen war und der Umbau des vorher etwas… ähm… rottigen Hauptbahnhofes war schon lange nötig. Von der „Pisserille“, wie der geplagte Sprachwitz des Proletariats die „Passerelle“ zu nennen pflegte, ganz zu schweigen. Welcher bequem am Schreibtisch sitzende Mensch wohl auf die Idee gekommen ist, dass ein Tunnel mitten in der Stadt eine Aufwertung sein könnte? Vermutlich jemand, der nicht gern Licht hatte…

    Ja, Hannover war einmal so bescheiden wie sein Ruf. Als typischer Hannoveraner (okay, eigentlich Lindener, und das ist ein Unterschied) halte ich das immer noch für die besseren Zeiten und empfinde die jetzige Innenstadt als kalt, unfreundlich, leblos, einzig auf den schönen Schein und die optimierte Konsumption ausgerichtet.

    Und damit bin ich doch das ganze Dilemma dieser Stadt. Genau wie viele andere Ureinwohner. 😉

    (Nach ein paar Jahren hat man sich auch als Zugereister an diese typische Haltung gewöhnt. Vom Übernehmen dieser typischen Haltung rate ich allerdings ab.)

  3. Carsten Says:

    Ja, Hannover hat der Expo und der durch sie hervorgerufenen Aufbruchstimmung (Passerelle, Stadion etc. sind ja z.B. erst nach der Expo umgebaut worden) schon viel zu verdanken. Auch wenn der Nahverkehr mit Ausnahme der fehlenden S-Bahn schon damals sehr gut war (bzw. im Bereich der S-Bahn auch heute noch verbesserungswürdig ist, vor allem was den lausigen Takt angeht). Das ist deutschlandweit nicht ungewöhnlich: München war ja vor der Olympiade auch ein verschlafenes piefiges Nest.

    Bezeichnend in Hannover ist, dass die Stadtentwicklung irgendwie immer in Schüben verläuft. Direkt nach dem Krieg, Anfang der Siebziger und jetzt zur Expo. Leider fiel der erste und vor allem der zweite Schub in eine Zeit beispielloser architektonischer Verrohung, so dass wir das zweifelhafte Ergebnis noch heute in der Innenstadt bewundern dürfen.

    Was die zunehmende konsumorientierte Austauschbarkeit deutscher Innenstädte angeht, so geht es glaube ich nicht nur dem Nachtwächter so. Merkwürdig in Hannover finde ich allerdings, dass viele Alteingesessene sogar positive Veränderung ablehnen. Z.B. das Verschwinden von Nachkriegsbausünden oder die Zunahme urbanen Lebens (siehe Lärmdebatte).

  4. Vorwärts nach weit – auf nach Hannover! | Lehrer-Blog Says:

    […] und Zugezogene sehen die Stadt jedoch meist anders. Viele entwickeln eine „Liebe auf den zweiten Blick“, loben […]

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