Posts Tagged ‘Kultur’

Hannover-Image I

23. Juli 2010

Auch schön aber langweilig

„Hannover ist ja wirklich schön. Ich weiß gar nicht, warum die Stadt so ein schlechtes Image hat“ höre ich oft von Freunden, die mich übers Wochenende besuchen. Meine Antwort lautet dann meistens sinngemäß: „Ja, ihr müsst hier ja auch nicht wohnen.“

Das ist vielleicht etwas hart, aber mal ehrlich: Rothenburg ob der Tauber z.B. ist (angeblich, ich selbst war noch nie da) eine der schönsten Städte Deutschlands und bei Touristen sehr beliebt – aber möchte man da wohnen?
Oder anders gesagt: die Eilenriede mag größer sein als der Central Park, dieser hat aber einen unschlagbaren Vorteil: drumherum ist New York!

Worauf ich hinaus will: die Lebensqualität einer Stadt bemisst sich (zumindest für mich, aber ich glaube auch für viele andere Menschen) nicht nur an Äußerlichkeiten, sondern an viel mehr: Kultur- und Freizeitangebote, Infrastruktur, Lebenshaltungskosten, Wohnungsmarkt – und vor allem am „Geist“, der in der Stadt herrscht, man mag es auch Flair nennen, Atmosphäre – oder verkürzt: an den Menschen, die dort leben.

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: ich kenne keine andere Stadt, in der Bewohner so massiv wegen Lärmbelästigung gegen kulturelle Veranstaltungen vorgehen. In der Leute, die  mitten in der Altstadt wohnen, ihre samstägliche(!) Abendruhe einfordern. Und in der sogar eine Initiative gegründet werden muss, um gegen diese Auswüchse vorzugehen (was ich ausdrücklich gutheiße).

Kein Wunder, dass selbst unsere Lena inzwischen Berlin favorisiert und Hannover „ein bisschen langweilig“ findet…

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Kleines Fest

22. Juli 2010

Das erste mal beim Kleinen Fest im Großen Garten – statt vieler Worte einfach zwei Bilder, die die dortige Stimmung repräsentieren sollen: von Musik, Comedy und Akrobatik bis Poesie pur.

Ich werde nächstes Jahr auf jeden Fall wieder versuchen, Karten zu bekommen!

Weiteres Fenster zur Stadt

22. Dezember 2009

Ich lese gerne Haruki Murakami (auch wenn mich die Gefährliche Geliebte, die ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe, etwas enttäuscht hat); seine Geschichten sind skurril und nicht immer ganz leicht zu verstehen, aber immer unterhaltsam.

Gleiches gilt auch für five spot after dark, die neuste Produktion des Theaters Fensterzurstadt. Mit einer alten Tankstelle wurde wieder mal eine tolle Location gefunden, um die herum das Stück inszeniert wird . Die Handlung des Stückes lässt sich allerdings kaum wiedergeben, weil es eine solche im eigentlichen Sinne nicht gibt. Das Stück ist eine Collage aus Texten Murakamis, musikalisch untermalt, toll gespielt, mit sehr netten Details garniert, und insofern durchaus sehenswert – auch wenn sich der tiefere Sinn nur schwer erschließt. Wenig weihnachtlich (obwohl der noch liegende Schnee gut zum Südpol passte, an dem die ersten Szenen spielen), und deshalb auch im neuen Jahr empfehlenswert.

Intrige, Erotik, Absurditäten

11. September 2009

Die Hochzeit des Figaro…darum geht es laut Programmheft vor allem in Mozarts Le Nozze di Figaro – na gut, auch noch um Gleichheit und Figurenspiel, aber die neue Inszenierung in der hiesigen Oper legt den Schwerpunkt vor allem auf diese drei Punkte. Und so wird auf der nur spärlich ausgestatteten Bühne intrigiert und konspiriert, gestritten, geprügelt und geliebt; im Publikum wird gesungen, ein Orchestermitglied stürmt aus dem Graben auf die Bühne, die Bühnenarbeiter bauen mitten im dritten Akt die Kulisse ab, und der vierte Akt findet auf leerer, dunkler Bühne statt. Nicht nur erotisch, absurd und intrigant ist die Inszenierung, sondern auch lustig – so lustig, dass eine der Sängerinnen zwischendurch einen Lachanfall bekam, bei dem ihre Kolleginnen und Kollegen sichtbar Mühe hatten, ernst zu bleiben. Das störte das Publikum nicht im geringsten, im Gegenteil: bei so viel Spielfreude und Sangeskunst waren die Zuschauer restlos begeistert. So macht Regietheater auch dem Abonnentenpublikum Spaß!

Fenster zur Stadt

21. Juni 2009

Von 1919 bis 2008 wurden in dem ehemaligen Elektrofachgeschäft Lingenfelder in Linden Lampen und elektronisches Zubehör verkauft. Davor war in dem Laden eine Bäckerei, der zugemauerte Ofen befindet sich noch im hinteren Teil. Auch das Viertel um das Geschäft herum hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr verändert. Viele Menschen haben es verlassen, andere, vor allem Immigranten, sind zugezogen.
Das Geschäft wird jetzt für Theater genutzt: hannover mon amour: lingenfelder heißt das Stück, in dem es um die Veränderungen im Leben geht, mit denen die Menschen unterschiedlich umgehen. Martin, der den Elektroladen betreibt, krankt an der neuen Zeit, in der es normal ist, einen neuen Toaster zu kaufen, statt den alten reparieren zu lassen. Seine Frau hat sich längst einem anderen Mann zugewandt, mit dem sie heimlich Lampen aus dem Laden schmuggelt und für die gemeinsame Zukunft verkauft. Dann ist da noch eine etwas verwirrte Kundin, deren Steckdose Martins Stecker magisch anzieht, zwei Räuberinnen, die die Vergangenheit des Ladens plündern, und eine Bäckereiverkäuferin in ihrer gestärkten Schürze als Geist aus eben dieser Vergangenheit. 
Die Geschichte ist dabei gar nicht so wichtig und auch eher banal. Dem Theater Fensterzurstadt gelingt es aber mit Musik- und Lichteffekten und vor allem der geschickten Einbeziehung der Straßen und Passanten vor dem Schaufenster ein unterhaltsames und beeindruckendes Stück zu inszenieren und ihrem Namen damit alle Ehre zu machen.

Fast wie im Theater ging es auch im Sansibar-Zelt auf dem Opernplatz weiter: lauter Selbstdarsteller und schräge Charaktere dort, und man hatte ordentlich zu gucken (und auch zu lästern…).

Theaterformen

13. Juni 2009

Ziemlich spät fiel mir auf dass das momentan stattfindende Festival Theaterformen so heißt, weil es viele verschiedene und neue Formen des Theaters präsentiert. Eine sehr interessante Form scheint Niemandsland zu sein, ein persönlicher Stadtrundgang mit einem fremden Führer. Leider sind alle Aufführungen bereits komplett ausverkauft, was irgendwie für das Publikum dieser Stadt spricht.

Ich hatte mir glücklicherweise im Vorverkauf eine Karte für Between the Devil and the Deep Blue Sea gesichert, ein „Cabaret mit Animationsfilmen“ im Stil der 1920er Jahre, von denen ich ja ein großer Fan bin. Die Vorankündigung klang sehr interessant und skurril, und genau so war es dann auch: zwei Schauspielerinnen agieren, von einer Klavierspielerin begleitet, vor einer Leinwand und interagieren mit wunderbaren Trickfilmen, die dort zu sehen sind. Bizarr, poetisch, makaber und sehr, sehr schön. „Wer das Stück entdeckt hat, wird sich wundern und sich freuen“ schreibt die HAZ, und da ist ihr uneingeschränkt zuzustimmen!

Freizeitstress

25. Mai 2009

Na, toll!

Jetzt hab ich hier ’ne halbe Stunde lang eine echt lange Liste mit allen Aktivitäten, die diese Stadt in nächste Zeit so zu bieten hat und die ich gar nicht alle schaffen werde, inklusive Links aufgezählt – und das blöde System speichert sie einfach nicht.

Naja, schaut einfach in die aktuelle PRINZ, alleine was da alles aufgezählt wird füllt Seiten – und das ist noch nicht mal alles…

Ich hab Rücken

11. April 2009

Mit den Rückenschmerzen, die ich von der gestrigen Fahrradtour habe (und vielleicht noch vom Tischtragen am Donnerstag) waren die elastischen Verrenkungen, die die Tänzer bei der heutigen Vorrunde des Choreographenwettbewerbs teilweise darboten, noch viel bewundernswerter…

Wimmelbilder in der Oper

12. Februar 2009

Guys and Dolls Als Kind liebte ich die Wimmelbilder von Ali Mitgutsch . An diese fühlte ich mich gleich in der furiosen Anfangsszene von Guys and Dolls in der Oper erinnert: eine Vielzahl von Sängern und Tänzern verwandelte die Bühne in eine New Yorker Straßenszene um 1930, und vor lauter Menschen und Aktionen wusste man gar nicht, wo man zuerst hinschauen sollte. Im Verlauf des ersten Akts wurde die Handlung dann etwas entspannter – bisweilen sogar etwas zu ruhig, so dass man auf die nächsten Gesangs- oder Tanzeinlage wartete. Nach der Pause ging der zweite Akt jedoch schmissig weiter, und ein wirklich tolles Bühnenbild, gute Tänzer mit jazziger Choreografie, ein sehr gutes Sängerensemble und ein Spitzenorchester machten Guys and Dolls – trotz eher banaler Handlung – zu einem mitreißenden Musical, das vom Publikum frenetisch gefeiert wurde. Und da es im Laufe der Handlung immer wieder Wimmelbilder gab, könnte man sich das Stück glatt nochmal anschauen und jedesmal neue Details entdecken.

Schlechter Sex

21. November 2008

Sex - von Spaß war nie die Rede Zwei Grundwahrheiten wurden dem Publikum beim gestrigen ABC-Alarm! in der Warenannahme des Faust gleich zu Anfang verkündet:
1. Jeder hatte schon mal schlechten Sex.
2. Wer das Gegenteil behauptet, lügt.
Jeder, der diese Wahrheiten nicht akzeptieren kann, wurde zum Gehen aufgefordert. Dieser Aufforderung kam glücklicherweise niemand nach, denn er hätte den äußerst vergnüglichen Lese-Abend "Sex – von Spaß war nie die Rede" verpasst, bei dem fünf Autoren aus der gleichnamigen Anthologie vortrugen, aber auch andere Werke zum Besten gaben. Dabei ging es nicht nur um schlechten, sondern auch um guten Sex (der sich im Nachhinein dann doch als schlecht entpuppte), um schwulen, pubertären und um imaginären Sex, um esoterische One-Night-Stands, Porno-Synchronisation, Masturbationsmaschinen und ganzheitliches Petting. Es wurde nicht nur gelesen, sondern auch gesungen, rezitiert, improvisiert und auf einem "Perkussionslätzchen" musiziert. Einen kleinen Ausschnitt des Vorgetragenen (leider nicht vorgetragen durch den urkömischen Peter Düker ) gibt es hier .
Nebenbei war das Ganze eine nette Gelegenheit, das Kulturzentrum Faust einmal kennenzulernen, das ich bislang nur kurz auf meiner sommerlichen Linden-Fahrradtour gestreift hatte. Trotz miserablem Wetter hat sich der Weg nach Linden wieder mal gelohnt und meinen Entschluss gestärkt, bei der anstehenden Wohnungssuche diesen Stadtteil verstärkt ins Visier zu nehmen.